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{Good Reads} Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec

Es gibt Autoren wie Gabriel Garcia Marquez und Haruki Murakami, die tiefgründige, herzzerreissende und hoch philosophische Romane schreiben können, und dann gibt es Jean-Luc Bannalec (Pseudonym!), mit seinen bretonischen Polizeikrimis.

Bretonische Flut war mein erstes Bannalec-Buch, hat mir aber nicht so gut gefallen. Trotzdem wollte ich ihm nochmals eine Chance geben, und mit Bretonische Verhältnisse wurde ich nicht enttäuscht.

Hier möchte ich aber klarstellen, dass diese Bücher nichts für eingefleischte Thriller-Krimis-Liebhaber ist. Viel eher ist es ein klassischer Polizeikrimi mit viel Liebe an die bretonische Landschaft, ihre Kultur und ihr Essen.

Oder wie es ein Journalist so treffend definierte: Soft Crime trifft auf Reiseführer. Aber genau das ist es, was mich so fasziniert hat. Ich hatte gleich Lust in die Bretagne zu reisen:

Sicherlich waren es viele Gründe, die die Künstler in die Bretagne und nach Pont Aven zogen, ins alte Keltenland – Armorica, das „Land im Meer“, wie die Gallier es genannt hatten. Die magischen Landschaften, die vom geheimnisvollen Zeitalter der Menhire und Dolmen zeugten, vom Land der Druiden, grosser Legenden und Epen.

Der Protagonist ist Kommissar Dupin, der zu einem Mord in Pont Aven gerufen wird. Pierre-Louis Pennec, der Besitzer des legendären Hotel Central, wo schon Gaugin und andere bekannte Künstler residierten, wird tot in seinem Restaurant aufgefunden.

Der Mord ist umso fragwürdiger, weil Pennec schon 91 Jahre alt war. Wer würde ihn umbringen wollen? Warum? Die Ermittlungen gehen zuerst in alle Richtungen, doch dann verwickelt es sich in eine verzwickte Geschichte mit Kunstraub, Familiendrama und sogar ein kleines bisschen geheime Liebschaften.

Dann gibt es auch noch einen zweiten Mord, der die Vermutungen noch mehr verwischen und der Fall komplizierter macht. Aber ich möchte hier ehrlich gesagt nicht so viel verraten, falls ihr es noch lesen wollt. Sonst ist ja die ganze Spannung weg.

Der mürrische Kommissar Dupin, war mir sofort sympathisch. Stets eigensinnig und distanziert, stelle ich mir Dupin wie ein grossgewachsener Mann mittleren Alters. Er hat für mich eine grosse Ähnlichkeite zu Kommissar Maigret, dessen Serien-Verfilmung (mit Jean Richard) ich als Kind geliebt habe.

Dupin konnte Locmariaquer nicht ausstehen. Und ausserdem hatte er bis heute keine rechte Idee davon, wie er diesen Namen auszusprechen hatte, was ihm zugegebenermassen bei nicht wenigen Bretonen so ging und ihn, der in seinem Beruf nun einmal viel mit Menschen zu tun hatte, nicht selten in peinliche Situationen brachte.

Die anderen Figuren hingegen wirken etwas farblos und verschwinden praktisch neben dem starken Kommissar.

Der Schreibstil ist locker und das Buch lässt sich fliessend lesen. Dupins Gedankengänge sind glaubwürdig und meist gut nachvollziehbar, da die Erzählung dem Kommissar linear in seinen seinen Ermittlungen folgt.

Trotzdem hat man genug Freiraum um selbst Ideen zu entwickeln, wer der Mörder sein könnte.

Am Schluss kommt nicht nur alles anderes als Gedacht, sondern man ist endlos verliebt in die Bretagne und will sofort die Ferien dorthin planen. Bannalecs andere Krimis dieser Serie: Bretonische Brandung, Bretonisches Gold, und Bretonischer Stolz, werde ich mir für die Ferien per Amazon noch bestellen.

Wer von euch hat auch schon ein Buch dieser Serie gelesen?

{Good Reads} Honigtot

Liebe Blogleserin, Lieber Blogleser,

In den Ferien lese ich immer am meisten. In unseren Toskana-Ferien habe ich gleich zwei Bücher gelesen, und das obwohl wir jeden Tag auch unterwegs waren und die umgebende Städte und Dörfer besuchten. Aber es blieb immer auch ein bisschen Zeit zum Lesen, sei es am Nachmittag am Pool oder einfach Abends bevor wir zu Bett gingen.

Der junge Mann und ich gehen jede Woche mindestens ein Mal in die Buchhandlung oder in die Mediothek zum „Bücher schmökern“. Es ist unser Lieblingsplan wenn wir zwei gemeinsam etwas unternehmen wollen. Und mein Mutterherz macht einen grossen Sprung, weil ich meine Leidenschaft für Bücher mit ihm teilen kann.

Honigtot von Hanni Münzer wird auf der Rückseite so beschrieben:

Wie weit geht eine Mutter um ihre Kinder zu retten? Wie weit geht eine Tochter um ihren Vater zu rächen? Wie kann eine tiefe, alles verzehrende Liebe die Generationen überdauern und alte wunden heilen? Als sich Elisabeth Malprag auf den SS-Sturmbannführer Albrecht Brunnen einlässt, im Glauben, ihre Familie zu schützen, weiss sie nicht, dass sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Einen Pakt, dessen Fluch ihre Tochter Deborah trifft…

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Die Geschichte beginnt in Seattle, wo Felicity’s Mutter plötzlich verschwindet. Sie wollte die Sachen ihrer gerade verstorbenen Mutter aus dem Altersheim holen, und kommt nicht mehr zurück. Felicity findet heraus, dass sie nach Rom geflogen ist, und geht hinter ihr her.  Felicity findet ihre Mutter schliesslich in einem Hotelzimmer, wo sie ziemlich verwirrt verschiedene Zeitungsausschnitte und Papierzettelchen versucht die Geschichte Ihrer Familie zu rekonstruieren.

Diese Familiengeschichte beginnt 1923 in München. Elisabeth Malpran ist eine erfolgreiche Opernsängerin die, zusammen mit ihrem liebevollen Ehemann und zwei wunderschöne Kinder, in sehr guten Verhältnissen lebt. Doch langsam beginnt sich der Nationalsozialismus in Deutschland zu verbreiten und Elisabeths Ehemann, Gustav Berchinger, kommt immer mehr in Gefahr wegen seiner jüdischen Abstammung.

Sie planen Deutschland zu verlassen, was für Elisabeth Malpran wegen ihrer Operntätigkeit ziemlich einfach fallen wird, hingegen für ihren Mann eine komplizierte Sache ist. Schliesslich schmieden sie einen Plan wo er über Zürich anschliessend nach London reist und sich dann dort mit ihr und den Kindern trifft. Doch er kommt nie in Zürich an, und ist von da an verschollen.

Elisabeth lässt ihre Beziehungen spielen kann aber nichts tun um ihren Mann wieder zu finden. Da ihre Kinder auch als Halbjuden gelten, sind auch sie in Gefahr und Elisabeth sucht Hilfe bei Obersturmbannführer Albrecht Brunnman, der ihr auch ein paar Mal hilft ihre Kinder aus den Fängen der Nazis zu befreien. Sie heiratet ihn schliesslich aus Dankbarkeit und zum Schutz ihrer Kinder wegen.

Ich will nicht zu viel verraten, und deshalb erzähle ich keine weiteren Details der Handlung, denn sonst ist für euch die Spannung weg. Das Buch ist wirklich sehr emotional und reisst einem mit in diese Zeit. Man fühlt mit ihnen die Verzweiflung, die Hilflosigkeit der Situation und das Entsetzen vor den Nazis.

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Eine Familiengeschichte über vier starke Frauen, die ihren eigenen Weg gehen und die Probleme mit Mut und Entschlossenheit angehen, jede auf ihre Weise. Ich konnte das Buch kaum weglegen und die 466 Seiten (!!!) in wenigen Tagen verschlungen, und kann es bestens empfehlen.

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Hat jemand von euch dieses Buch auch schon gelesen? Wie fandet ihr es? Habt ihr gute Buch-Empfehlungen für mich?