good reads

{Good Reads} Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec

Es gibt Autoren wie Gabriel Garcia Marquez und Haruki Murakami, die tiefgründige, herzzerreissende und hoch philosophische Romane schreiben können, und dann gibt es Jean-Luc Bannalec (Pseudonym!), mit seinen bretonischen Polizeikrimis.

Bretonische Flut war mein erstes Bannalec-Buch, hat mir aber nicht so gut gefallen. Trotzdem wollte ich ihm nochmals eine Chance geben, und mit Bretonische Verhältnisse wurde ich nicht enttäuscht.

Hier möchte ich aber klarstellen, dass diese Bücher nichts für eingefleischte Thriller-Krimis-Liebhaber ist. Viel eher ist es ein klassischer Polizeikrimi mit viel Liebe an die bretonische Landschaft, ihre Kultur und ihr Essen.

Oder wie es ein Journalist so treffend definierte: Soft Crime trifft auf Reiseführer. Aber genau das ist es, was mich so fasziniert hat. Ich hatte gleich Lust in die Bretagne zu reisen:

Sicherlich waren es viele Gründe, die die Künstler in die Bretagne und nach Pont Aven zogen, ins alte Keltenland – Armorica, das „Land im Meer“, wie die Gallier es genannt hatten. Die magischen Landschaften, die vom geheimnisvollen Zeitalter der Menhire und Dolmen zeugten, vom Land der Druiden, grosser Legenden und Epen.

Der Protagonist ist Kommissar Dupin, der zu einem Mord in Pont Aven gerufen wird. Pierre-Louis Pennec, der Besitzer des legendären Hotel Central, wo schon Gaugin und andere bekannte Künstler residierten, wird tot in seinem Restaurant aufgefunden.

Der Mord ist umso fragwürdiger, weil Pennec schon 91 Jahre alt war. Wer würde ihn umbringen wollen? Warum? Die Ermittlungen gehen zuerst in alle Richtungen, doch dann verwickelt es sich in eine verzwickte Geschichte mit Kunstraub, Familiendrama und sogar ein kleines bisschen geheime Liebschaften.

Dann gibt es auch noch einen zweiten Mord, der die Vermutungen noch mehr verwischen und der Fall komplizierter macht. Aber ich möchte hier ehrlich gesagt nicht so viel verraten, falls ihr es noch lesen wollt. Sonst ist ja die ganze Spannung weg.

Der mürrische Kommissar Dupin, war mir sofort sympathisch. Stets eigensinnig und distanziert, stelle ich mir Dupin wie ein grossgewachsener Mann mittleren Alters. Er hat für mich eine grosse Ähnlichkeite zu Kommissar Maigret, dessen Serien-Verfilmung (mit Jean Richard) ich als Kind geliebt habe.

Dupin konnte Locmariaquer nicht ausstehen. Und ausserdem hatte er bis heute keine rechte Idee davon, wie er diesen Namen auszusprechen hatte, was ihm zugegebenermassen bei nicht wenigen Bretonen so ging und ihn, der in seinem Beruf nun einmal viel mit Menschen zu tun hatte, nicht selten in peinliche Situationen brachte.

Die anderen Figuren hingegen wirken etwas farblos und verschwinden praktisch neben dem starken Kommissar.

Der Schreibstil ist locker und das Buch lässt sich fliessend lesen. Dupins Gedankengänge sind glaubwürdig und meist gut nachvollziehbar, da die Erzählung dem Kommissar linear in seinen seinen Ermittlungen folgt.

Trotzdem hat man genug Freiraum um selbst Ideen zu entwickeln, wer der Mörder sein könnte.

Am Schluss kommt nicht nur alles anderes als Gedacht, sondern man ist endlos verliebt in die Bretagne und will sofort die Ferien dorthin planen. Bannalecs andere Krimis dieser Serie: Bretonische Brandung, Bretonisches Gold, und Bretonischer Stolz, werde ich mir für die Ferien per Amazon noch bestellen.

Wer von euch hat auch schon ein Buch dieser Serie gelesen?

Ich habs für euch getestet: Hörbücher | Books for Ears

Ich lese ja bekanntlich gerne (es gibt sogar eine eigene Blog-Kategorie dafür). Leider fehlt mir aber oft die Zeit. Morgens früher aufstehen geht gar nicht, ich stehe jetzt schon 5.30 Uhr auf. Abends bin ich todmüde, und bei der Arbeit lesen geht ja auch nicht.

Als ÖV-Pendler hat man da schon einen Vorteil, denn die Zeit im Zug bzw. Bus kann fürs Lesen benutzt werden. Ich aber fahre mit dem Auto zur Arbeit. Dann wäre ja da noch das Wochenende, aber das ist auch meistens zu kurz.

Erst kürzlich las ich über eine berufstätige Mutter zwei kleiner Kinder, die über 100 Bücher im Jahr liest. Häää??!! Von welchem Stern ist sie denn? Dachte ich zuerst. Bis ich gesehen habe, dass es sich hierbei um Hörbücher handelt. Aber hören ist doch nicht dasselbe wie lesen! Ist das nicht Betrug? Mag sein, aber wen stört’s wenn sie so zu ihren Büchern kommt? (übrigens herzlich willkommen in meinem Inneren-Dialog-Chaos).

Etwas skeptisch machte ich mich auf die Suche. Da gibt es verschiedene Anbieter, wie zum Beispiel Audible (von Amazon), Napster, Vorleser.net (kostenlos!) und Spotify und Claudio.de. Sogar auf Youtube gibt es ganze Hörbücher-Romane, selbstverständlich gratis. Die grösste Auswahl gibt es bei Audible, und da ich bereits Amazon Kundin bin, habe ich mich mal diesen Anbieter vorgeknöpft.

Lesen vs. Hörbuch

Generell fühlt sich ein Hörbuch wirklich ganz anders an als Lesen. Beim Lesen hört man irgendwie seine eigene Stimme im Gehirn, und kann entsprechend Pausen machen, um über etwas nachzudenken, oder ein paar Seiten zurückzublättern. Wenn ich etwas lese, bleibt es bei mir länger im Kopf hängen, als wenn ich nur zuhöre.

Trotzdem haben Hörbücher etwas Magisches. Eine angenehme Stimme führt uns durch die paar Stunden Roman, Krimi oder Thriller hindurch, und das fliesst einfach und ohne Anstrengung in unsere Gedanken.

Aber es bleibt halt auch nicht so viel hängen, wie zum Beispiel ein schönes Zitat, oder ein interessanter Dialog. Ausser man hört wirklich sehr konzentriert zu, legt sich hin oder schliesst die Augen. Aber der Vorteil von Hörbücher ist ja genau, dass man nebenbei etwas anderes tun kann (putzen!, autofahren!, kochen!).

Wie funktioniert Audible?

Die Handhabung ist sehr einfach und selbsterklärend:

  1. Audible App herunterladen
  2. Amazon Login eingeben
  3. Stöbern
  4. Auswählen

Man kann auch Hörproben haben, die sind ca. 4 Minuten lang, wo man schon gut erkennt ob man die Vorlese-Stimme mag oder nicht. Es gab Hörbücher die ich, aufgrund des Vorlesers, nicht gewählt habe. Das ganze Hörbuch-Erlebnis steht und fällt mit dieser Stimme.

Das einzige was mich persönlich störte ist, dass man ein Hörbuch nicht direkt auf der App kaufen kann. Beim Stöbern findet man ein passendes Buch, und dann muss man sich nochmal auf einem Internet-Browser bei Amazon einloggen um dort das gewünschte Hörbuch nochmal suchen und kaufen.

Was kostet es?

Wie oben beschrieben, gibt es sowohl kostenlose wie auch kostenpflichtige Anbieter. Audible hat über 200’000 Hörbücher, viele davon Bestseller. Ein Hörbuch kostet zwischen EUR 10 – 16, bei einem Flexi-Abo (EUR 9.95) hat man aber jeden Monat ein Hörbuch inklusive. Jedes weitere Hörbuch kostet dann immer nur EUR 9.95. Das Abo ist jederzeit kündbar.

Was ich sehr gut finde

Nicht eingelöste Hörbücher werden für den Folgemonat gutgeschrieben. Wenn man also mal in einem Monat sein Hörbuch nicht heruntergeladen hat, kann man es noch im nächsten nachholen.

Es gibt ausgiebige Hörproben, die vier oder mehr Minuten dauern. Dies ist vorallem wichtig wegen der Vorlese-Stimme, die massgebend dazu beiträgt, ob man das Buch gerne hat. Ich kann das nicht genug betonen, aber hört wirklich zu ob euch die Stimme gefällt!

Aber wenn es dann trotzdem nicht klappt, kann man als Abonnent auch ein Hörbuch, das nicht gefallen hat, umtauschen.

Mein Fazit

Man verschlingt tatsächlich viel mehr Bücher als wenn man sie liest. Ich habe zum Beispiel in einer Woche gleich zwei Bücher geschafft und das würde ich mit Lesen niemals erreichen.

Ich hatte viel mehr Gelegenheit zum „Buchhören“ als gedacht: beim Autofahren, während dem Zähneputzen, auf dem Crosstrainer, oder morgens während der Stretching-Routine.

Ich kann mir auch vorstellen, dass so ein Hörbuch während einem Roadtrip eine gute Alternative zu Musik sein kann.

Die sogenannte „schwere Kost“ wie zum Beispiel ein Murakami-Buch würde ich jetzt vielleicht viel lieber lesen als hören. Da will ich so wenig wie möglich verpassen. Aber leichtere Romane oder Krimis werde ich auf jeden Fall weiterhin mit Hörbücher geniessen.

Also freut euch auf noch mehr Buchrezensionen hier auf dem Blog!

Hat jemand von euch auch schon Hörbücher getestet? Wie fandet ihr es?

{Good Reads} Das Glück sieht immer anders aus – Milena Moser

IMG_4750

Als dieses Buch letztes Jahr in den Verkauf kam, wusste ich schon dass ich es kaufen würde. Denn Milena Moser ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Ich habe von ihr schon Montagsmenschen, Schlampenyoga und kürzlich auch Gebrauchsanweisung für Zürich gelesen.

Dieses Buch ist aber anders. Es ist weder ein Roman, noch eine Ansammlung von Kolumnen, wie es sonst bei ihr üblich ist. Es ist ein „Personal Essay“ wie sie selbst in einem Interview sagte. Es geht im Buch um ihr Leben nach einer schmerzvollen Scheidung und wie sie wieder das Glück wieder finden will. Eine Art „Coming-of-Age“ aber mit 50 anstatt mit 15.

Sie plant also einen Roadtrip durch Amerika um wieder glücklich zu sein. Sie ist 50 und hat schon einmal in Amerika gelebt als ihre Kinder noch klein waren. Sie plant befreundete Paare zu besuchen um von ihnen zu lernen, was es heisst, glücklich zu sein. Sie will tanzen, sich verlieben, das Leben neu entdecken.. Das Glück sieht immer anders aus. Na wie sieht denn nun das Glück aus?

Nur leider hapert es von Anfang an. Schon der erste Tanzkurs den sie mit grosser Hoffnung besucht ist eine Enttäuschung. Sie müssen während dem Tanz ihre Partner finden, nur mit ihr will niemand tanzen. Sie fühlt sich deplatziert, alleine, einsam.

Das Gefühl ein Fehler zu sein sitzt tief in mir, wie das Bedürfnis, diesen Fehler ungeschehen machen zu wollen. Aber ich tue es nicht. Ich kämpfe. Ich schreibe. Wenn ich schreibe, fühle ich mich sicher. Ich folge meinem Instinkt, einem untrüglichen Gefühl. Sobald ich den Kopf vom Schreibtisch hebe, ist es weg.

Während der Reise erzählt sie kleine Episoden aus ihrem Leben, rechnet aber nicht mit dem Schlechten ab, sondern hat immer den Blick nach vorne gerichtet. Mich hat das Buch deshalb so berührt, weil es so einfach erzählt ist. Man fühlt sich, wie wenn man einer guten Freundin zuhören würde.

IMG_4743

Ich möchte nicht zu viel verraten. Milena landet schliesslich in Santa Fe, und verliebt sich da wirklich. In die Stadt. In die Landschaft. In die Luft und das Licht in dieser Gegend. Das Buch ist zum grössten Teil melancholisch, aber leicht und oft auch lustig geschrieben.

In ihrem Buch geht es darum, dass man das Glück nicht erzwingen kann. Es gibt bestimmte Phasen im Leben, da muss man einfach durch, ob es einem gefällt oder nicht. Auch die Liebe kann man nicht erzwingen. Sie kommt, oder sie kommt nicht. Und je eher man mit sich selbst im Reinen ist, kommen Glück und Liebe wie von selbst.

Diese Textpassage zeigt die Thematik des Buches sehr deutlich:

Diese Geschichte von dem Fuchs, der kein Fuchs sein wollte, hat meine Zenlehrerin einmal erzählt. „Seit fünfhundert Leben komme ich jedes Mal wieder als Fuchs auf die Welt“ beschwerte sich der Fuchs. „Wann kann ich bitte wieder ein Mensch sein? Wie lange dauert das noch?“ Denn der Fuchs erinnerte sich immer noch an ein anderes Leben, an ein Leben als Mensch. „Bevor du ein Mensch sein kannst, musst du erst einmal wirklich ein Fuchs sein“, bekam er zur Antwort.

Nachdem ich die Geschichte zum ersten Mal gehört hatte, habe ich mich furchtbar darüber geärgert. Ja, ja, schon gut, dachte ich. Ich weiss schon, was du mir damit sagen willst, was ich daraus lernen soll, vielen Dank auch! Aber ich will nun mal kein Fuchs sein!

Und ich kann mich so gut damit identifizieren. Manchmal macht man sich so sehr Druck, dass etwas unbedingt klappen muss, dabei ist die Zeit einfach nicht reif dazu. Vielleicht muss man zuerst eine Lektion daraus lernen, etwas mitnehmen aus diesem Lebensabschnitt, aus dieser Erfahrung.

Zugegeben, ich mag solche Selbstfindungstrips-Bücher sehr. Denn ich finde solche Trips machen uns zu dem was wir sind: Menschen mit Höhen und Tiefen im Leben. Es geht dabei  wie wir damit umgehen. Was wir daraus lernen. Wir streben alle nach dem Glück, ohne genau zu wissen wie es aussehen soll. Und doch, wenn es da ist, weiss man es einfach.

Hat jemand dieses Buch schon gelesen? Oder andere Bücher von Milena Moser?

{Good Reads} Naokos Lächeln

Liebe Blogleserin, Lieber Blogleser,

Heute gibt es eine Rezension über mein zuletzt gelesenes Buch: Naokos Lächeln, von Haruki Murakami. Das erste Murakami-Buch das ich gelesen habe war Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt. Und dieses Buch war sehr skurril. Es hat mich gefesselt und ich habe es wie besessen in wenigen Tagen gelesen. Naokos Lächeln war eine ganz andere Erfahrung.

_MG_2980

Ich habe Naokos Lächeln schon mehrmals angefangen zu lesen und immer wieder weggetan. Es hat mich irgendwie nicht gepackt. Überall las ich tolle Rezensionen, es sei eines der besten Werke von Murakami, also habe ich mir vorgenommen dieses Buch zu lesen. Und als ich dann mit Lesen fertig war und das Buch zuklappte, musste ich sogar ein paar Tränen vergiessen, was mir zuvor nur mit dem Buch Paula von Isabel Allende geschah.

In Naokos Lächeln geht es um Toru Watanabe, ein japanischer Uni-Student, der in Tokio wohnt. Sein bester Freund aus der Schule, Kizuki, beging Selbstmord, und nun versucht Toru in Tokio seiner Vergangenheit zu entfliehen. Eines Tages trifft er zufälligerweise in der U-Bahn auf Naoko, die Freundin von Kizuki. Von nun an treffen sie sich jeden Sonntag und spazieren stundenlang durch Tokio.

_MG_2983

Naoko hat aber den Tod von Kizuki nie überwunden, und lässt sich schliesslich freiwillig in ein Sanatorium einliefern. Toru ist zu diesem Zeitpunkt bereits in sie verliebt, trifft sich aber mit Midori, ebenfalls Uni-Studentin, und das komplette Gegenteil von Naoko. Sie ist lebensfreudig, extrovertiert und unternehmungslustig. Toru bewegt sich von nun an zwischen diesen zwei Welten, die seine Vergangenheit und seine Zukunft symbolisieren.

Die Handlung hat nicht so einen deutlichen Höhepunkt, wie man es sich von anderen Büchern gewohnt ist. Vielmehr kommt der spannende Teil ganz zum Schluss, aber davon verrate ich natürlich nichts. In Naokos Lächeln gibt es skurrile Gestalten, unausgesprochene Gefühle, viele Selbstmorde, aber vorallem Sehnsucht und Liebe. Aber es ist eine ruhige Liebe, und ruhig ist auch Murakamis Schreibstil, wenn er Gefühle oder Momente beschreibt wie kein anderer es tun kann. Es geht runter wie Honig:

_MG_2985

Dieser Roman war, wie gesagt, eine ganz andere Erfahrung für mich. Ein Buch dass mich anfänglich überhaupt nicht packte, dann aber doch sehr sanft in seinen Bann zog, und am Schluss so ergreifend sein kann.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen, aber Ihr müsst es in Ruhe lesen können und nicht verzweifeln wenn es Euch nicht von Anfang an sofort mitreisst. Liest einfach weiter und geniesst Murakamis Schreibart, denn er ist ein Meister im erzählen von tragisch-schönen Liebesgeschichten.

_MG_2986

 

Deshalb sollten Sie nach dem Glück greifen, wenn es sich Ihnen bietet. Aus Erfahrung weiss ich, dass wir nie mehr als zwei oder drei solcher Gelegenheiten erhalten und dass wir es möglicherweise für den Rest unseres Lebens bereuen, wenn wir sie versäumen. Haruki Murakami, Norwegian Wood.

 
Dieser Post enthält Amazon Affiliate Links. Ich freue mich wenn Ihr über diesen Link das Buch kauft, denn so bekomme ich ein paar Cents davon ohne dass es Euch mehr kostet. Und von diesem Geld kann ich mir weitere Bücher kaufen und hier rezensieren.

 

{Good Reads} Where’d you go, Bernadette

_MG_2414

Liebe Blogleserin, Lieber Blogleser,

Ich möchte dieses Jahr mehr lesen. Das ist nicht irgend ein Neujahrsvorsatz, das ist eines meiner Vorsätze zu meinem letztjährigen Geburtstag. Und da mein letzter Post über ein gelesenes Buch sehr erfolgreich war, werde ich hier neuerdings ab und zu über Bücher schreiben.

Heute präsentiere ich Euch:  Where’d You Go, Bernadette von Maria Semple. (Auf Deutsch: Wo steckst du Bernadette).

Bildschirmfoto 2015-01-01 um 22.02.27

Wichtiger Hinweis vorab: Wo ich angefangen habe zu schreiben, merkte ich plötzlich, dass es gar nicht so einfach ist, eine Rezension über diesen Roman zu verfassen. Denn das Interessanteste an der Geschichte sind zwei Fragen, die ich Euch gar nicht verraten darf: Warum verschwindet eigentlich Bernadette, und wo geht sie hin. Denn wenn ich Euch das verrate, lohnt es sich gar nicht mehr das Buch zu lesen. Aber fangen wir von vorne an.

In diesem Buch geht es um Bernadette Fox. Bernadette ist mit einem Microsoft Manager namens Elgie verheiratet, und zusammen haben sie eine 15jährige Tochter: Bee. Bernadette ist sehr chaotisch aber lustig, hat zum Teil verrückte Vorstellungen, hasst viele Menschen um sich herum zu haben, und engagiert eine indische Virtual Assistant die alles für sie erledigt, damit sie möglichst wenig aus dem Haus muss. Sie ist so ein Künstler-Typ, oder sagen wir mal, etwas Exzentrisch.

Die anderen Mütter der Schule mögen sie überhaupt nicht, weil sie in keiner Projektgruppe dabei ist und eigentlich bei gar nichts mitmacht. Aber es beruht auf Gegenseitigkeit, denn Bernadette mag die Schulmütter auch nicht. Sie nennt sie „gnats“ (Stechmücken).

Die Handlung findet in einem Vorort von Seattle statt, und obwohl sie schon seit Bee’s Geburt dort wohnen, hat Bernadette sich nie an die Stadt gewöhnt. In ihren Worten: „The sky in Seattle is so low, it felt like God had lowered a silk parachute over us.“ Oder auch sehr lustig: „Seattle is the only city where you step in shit and you pray, Please God, let this be dog shit“.

Bee ist eine Musterschülerin, und da ihre Eltern versprochen haben sie dürfe sich etwas wünschen wenn sie gute Noten bekäme, wünscht sie sich eine Reise in die Antarktis. Mit ihren Eltern natürlich. Das ist für Bernadette ein Graus, mit so vielen Leuten in einem Boot festzustecken und sie bekommt schon leichte Panikattacken deswegen. Oder wie sie es erklärt: „I’m not too good when exposed to people“.

Doch dann kommt plötzlich alles anders als geplant und Bernadette verschwindet. Man könnte sagen ihr wird alles zu viel und sie bricht aus, aber niemand weiss wohin.

Ich musste mich zuerst an den Erzählstil dieses Buchs gewöhnen. Es ist sehr unkonventionell geschrieben. Es besteht zum grössten Teil aus E-Mails oder Briefe zwischen den Müttern, der Schulleitung, Elgie (Bernadette’s Ehemann), oder auch FBI Dokumente, Rechnungen, und letztlich die Gedanken von Bee (Bernadette’s Tochter). Aber es ist alles so gut zusammengesetzt, dass man die Geschehnisse ohne Aufwand gut mitverfolgen kann. Die Charakteren sind sehr gut beschrieben und mann kann ihre Handlungen nachvollziehen.

Trotz aller Heiterkeit und den lustigen Szenen, geht es in diesem Buch um tiefgründige Themen wie Depression, sich den Problemen stellen, unterdrückte Kreativität, Verantwortung tragen, usw. Und die Frage ob die Familie dies gemeinsam überstehen wird. Die Handlung und vorallem das Ende nehmen überraschende Wendungen, aber mehr dazu verrate ich hier nicht.

Was mir persönlich am meisten gefallen hat war, wie Bernadette beschrieben wird. Sie ist wirklich nicht perfekt. Eigentlich ist sie alles andere als perfekt. Und doch empfindet man Empathie zu ihr, weil sie so missverstanden wird. Und wer hat das nicht auch schon mal erlebt?

Ich habe während dem Lesen viel gelacht, und würde es jedem empfehlen der eine schnelle Lektüre sucht (dieses Buch kann in einer Woche gelesen werden), ohne dass es total oberflächlich ist. Es würde mich sehr freuen von Euch zu hören falls jemand dieses Buch liest, ob es Euch gefällt oder gar nicht, was Ihr dazu meint, usw.

Die nächste Buchrezension wird von einer meiner neuen Lieblingsautoren sein: Haruki Murakami. Lasst Euch überraschen!

_MG_2412

*Dieser Post enthält Amazon Affiliate Links. Ich freue mich wenn Ihr über diesen Link das Buch kauft, denn so bekomme ich ein paar Cents davon ohne dass es Euch mehr kostet. Und von diesem Geld kann ich mir weitere Bücher kaufen und hier rezensieren. 😉

 

{Good Reads} Sieben verdammt lange Tage

_MG_1846 640 Good reads

Liebe Blogleserin, Lieber Blogleser,

Ich habe früher oft und gerne gelesen, und viele Bücher haben mich als Mensch geprägt. Als Kind habe ich Ronjas Räubertochter, Die Unendliche Geschichte, oder Momo gelesen. In der frühpubertären Zeit dann ziemlich alle Bücher von Federica de Cesco, später dann Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Marquez, oder Das Geisterhaus von Isabel Allende, unter vielen anderen. Wenn ein Buch gut geschrieben ist, zieht es mich in die Geschichte hinein und ich fühle mich sehr betroffen mit den Charakteren und das ganze Geschehen im Buch.

_MG_1844 640

Mit der Zeit las ich immer weniger. Man ist mit so vielen anderen Dingen beschäftigt (Job, Familie, das Leben), und wenn ich frei hatte wollte ich nur schlafen oder einfach nichts tun (sprich TV sehen). Mir ging es jedenfalls so. Aber jetzt wo der junge Mann eben ein junger Mann und kein kleines Kind mehr ist, habe ich mehr Zeit für mich und komme manchmal doch noch zum Lesen, wie zum Beispiel dieses Jahr in den Ferien. Da habe ich The Rosie Project von Graeme Simsion und Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami gelesen. Total unterschiedliche Bücher, die aber beide so gut waren, dass sie mir die Lust aufs Lesen wieder weckten.

_MG_1858 640

Also habe ich beschlossen bewusst mehr zu lesen (ja, ich weiss „mehr“ ist ein dehnbarer Begriff aber ich möchte mich nicht festlegen). Und da ich Bücher so gerne mag, möchte ich das hier mit Euch teilen. Ich werde hier also ab und zu wieder ein Buch vorstellen dass mir gut gefallen hat.

Heute bringe ich Euch Sieben verdammt lange Tage: Roman von Jonathan Tropfer (auf English: This is where I leave you). Der Film kam erst kürzlich in die Kinos und war sehr gut besetzt, mit Jason Bateman, Jane Fonda und Tina Fey (einer meiner Lieblingskomikerinnen). Ich habe den Film noch nicht gesehen, weil ich das Buch zuerst lesen wollte.

Im Buch geht es um Judd Foxmann und wie sein Leben plötzlich aus den Fugen gerät. Er erwischt seine Frau mit seinem Boss im Bett, sein Vater ist gerade gestorben, und nun muss er auch noch sieben Tage zusammen mit seiner Familie verharren, weil das der letzte Wille seines Vaters war. Sie waren in letzter Zeit sehr selten zusammen, und diese sieben Tage bringen einige alte Geschichten unter Geschwister wieder zum Vorschein. Streitigkeiten die vor einer Ewigkeit stattgefunden haben, die man aber nie so richtig ausgesprochen hat, sind plötzlich wieder da. Obwohl sich das jetzt nach einer traurigen Geschichte anhört, ist es tatsächlich meistens lustig zu lesen. Tropper schafft es aus diesem Familiendrama eine Art Familienkomödie zu machen und ich musste oft während dem Lesen schmunzeln.

Bildschirmfoto 2014-10-26 um 15.53.01

Genau deshalb ist es aber auch kein lebensveränderndes Buch, ihr wisst schon, no pain no gain. Trotzdem kann ich es empfehlen, es ist eine schnelle sympathische Lektüre die man schön nebenbei lesen kann.

I have always imagined that Paradise will be a kind of library. Jorge Luis Borges.